Religionen in Konz auf dem Friedensweg

„Stell Dir vor, es gäbe keine Religion… keinen Grund, dafür zu töten und zu sterben“. Mit dieser Liedzeile aus John Lennons „Imagine“ eröffnete Thomas Zuche die Veranstaltung „Können unsere Religionen Frieden bringen?“. Tatsächlich – so Zuche - ziehe sich eine Blutspur, verursacht von frommen Menschen, durch die Geschichte. Dafür nannten er und die Gäste im Publikum zahlreiche Beispiele. Mit dem Gesprächsabend wollte die Arbeitsgruppe Christlich-Islamischer Dialog die religiösen Ursachen von Gewalt und Terror, aber auch die Friedenspotenziale von Christentum und Islam beleuchten. Christoph Urban, evangelischer Gemeindepfarrer in Konz, begann sympathisch selbstkritisch: „Nicht die Muslime, sondern die Protestanten haben den Fundamentalismus erfunden.“ Diese „übertriebene Prinzipientreue“ sei eine der Ursachen religiöser Intoleranz. Wilfried Linder, Bezirksevangelist der neuapostolischen Kirche und von Beruf Hochschullehrer, sah einen überzogenen Wahrheitsanspruch am Beginn vieler religiös aufgeladener Konflikte. Rhandell Ayyub Mathieu, der den Islamischen Verein Konz vertrat, wertete vor allem die Unwissenheit über die wahren Bestimmungen des Islams als Faktor für Gewalt und Terror unter Muslimen und fuhr fort: „So wenig PEGIDA das Volk ist, so wenig ist der sogenannte Islamische Staat der Islam“. Tahir Dogan, Sprecher der Muslime beim Runden Tisch von Christen und Muslimen in Trier, verwies auf den friedlichen Wettstreit der Religionen, der im Kor’an gefordert werde.

Nach dieser Ursachenforschung wurde im zweiten Teil des Abends nach den Friedenskräften der Religionen Ausschau gehalten. Auch dabei beteiligten sich die 20 Zuhörer/innen in reger Weise. Sehr konkret wurde es dann, als Thomas Zuche auf die Hassbotschaften verwies, die in letzter Zeit in Konz aufgetaucht waren und die Frage stellte, was alle, aber im Besonderen die Kirchen- und Moscheegemeinden dagegen tun könnten. Rhandell Ayyub Mathieu bot sich an, in Schulen und Kindergärten Vorurteile über Muslime abzubauen. Wilfried Linder sprach sich dafür aus, verstärkt die Begegnungen zwischen Menschen anderer Kulturen zu fördern, aber auch öffentliche Aktionen auf der Straße durchzuführen. Tahir Dogan lobte die Dialogkreise zwischen Christen und Muslimen, wo eine gemeinsame Sprache des Herzens gesprochen werde. Christoph Urban schließlich sah Handlungsmöglichkeiten im gemeinsamen Reden, Tun und Feiern. Der interreligiöse Abschlussimpuls beim Gemeindefest letzten Sonntag sei dafür ein gutes Beispiel gewesen. Vor allem die Bereitschaft zu öffentlichen Aktionen wurde aus dem Publikum sehr unterstützt. So erinnerte Ingeborg Wagner dankbar an das gemeinsame Friedensgebet bei den Interkulturellen Wochen im letzten Jahr. Nach ihrer Vorstellung brauche es Aktionsformen in der Öffentlichkeit, bei denen die Schwelle zur Mitwirkung Vieler sehr niedrig sei.

Thomas Zuche nannte in seinem Schlusswort drei Bereiche, bei denen Christen und Muslime heute schon in Konz aktiv seien: die Begleitung von Geflüchteten, der Dialog zwischen den Religionen im Rahmen des Interkulturellen Netzwerks und die Interkulturellen Wochen. Damit geschehe in Konz schon weit mehr als an anderen Orten. Diesen Rahmen wolle man nützen, um gegen Hass, Vorurteile und Intoleranz in Konz vorzugehen.